Die Schülerinnen Elena Zimmer, Ramona Zilk und Anja Bittner (von li nach re) nahmen zusammen mit ihrem Lehrer OStR  Johannes Klug (li) und dem Leiter des Ortenburg Gymnasiums Oberviechtach, OStD Ludwig Pfeiffer (re), von Dipl.-Ing. Werner Battke, VDE Nordbayern, die Urkunde für ihr erfolgreiches Abschneiden beim Wettbewerb INVENT a CHIP 2016/2017 entgegen.

| Georg Lang
13.07.2017 55 0

Schülerinnen aus Oberviechtach entwickeln Blindenhelfer-Chip

VDE und BMBF wählen Anja Bittner, Ramona Zilk und Elena Zimmer für „Invent a Chip“ aus

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Ingrid Berger
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Drei Schülerinnen wollen den Alltag blinder Menschen mit dem Einsatz von Mikrochips verbessern. Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt brachte Anja Bittner (14), Ramona Zilk (15) und Elena Zimmer (14) vom Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach auf die Idee für einen Blindenhelfer-Chip. „Wir beobachteten, wie ein blinder, älterer Mann fast gegen ein Schild gelaufen wäre, hätte man ihn nicht gewarnt. Da er mit dem Blindenstock gut umgehen konnte, dieser ihn aber nicht warnen konnte, überlegten wir, wie man Blinden in ähnlichen Situationen helfen könnte, um ernstere Verletzungen zu vermeiden“, sagen sie.

Abhilfe soll ein neuer Mikrochip bringen, den die drei designen wollen. „Dies könnte man bereits durch kabellose Kopfhörer, Abstands- und Thermomessungen und eine Brille und Blindenstock schaffen“, erklären die Schülerinnen.

Mit ihrer Idee für einen Blindenhelfer-Chip überzeugten die Gymnasiastinnen die Jury des Nachwuchswettbewerbs „Invent a Chip“. Bereits zum 16. Mal findet der gemeinsame Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Technologieverbands VDE bundesweit an über 3.000 Schulen statt. Das Team setzte sich mit seinem Projekt in einem Feld von rund 2.150 Teilnehmern durch. „Wir möchten den Forschergeist der jungen Menschen fördern und geben ihnen jetzt das notwendige Know-how für die Entwicklung eigener Mikrochips an die Hand“, sagt Ansgar Hinz, VDE-Vorstandsvorsitzender. Beteiligt haben sich Schülerinnen und Schüler der Klassen acht bis dreizehn von allgemein- und berufsbildenden Schulen. 30 Prozent betrug der Anteil junger Frauen in diesem Jahr. „Von der stabilen Krankenliege im Rettungswagen bis zum Schulranzen mit optimaler Gewichtsverteilung und der intelligenten Autotür, die Unfälle vermeiden hilft, sind pfiffige Schülerideen dabei“, sagt VDE-Chef Ansgar Hinz. In diesem Jahr steht der Wettbewerb unter dem Motto „New Mobility“. Doch der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: Mikrochips, die vor Wasserrohbruch schützen, sind ebenso vertreten wie intelligente Kleidung oder ein modernes Belüftungssystem.

Für die Praxisphase wählte eine Jury zehn Teams aus, die Anfang Mai an einem Workshop der Leibniz Universität Hannover am Institut für Mikroelektronische Systeme (IMS) teilnahmen. „Um ihre Projektidee zu realisieren, lernen die Jugendlichen eine Hardware- Beschreibungssprache, mit der sie eine Unmenge von Schaltungselementen im Mikrochip verdrahten. Damit gehen sie wie die Profis vor, die die hochintegrierten Schaltkreise unserer alltäglichen Elektronik entwickeln“, erklärt Ansgar Hinz. Die ersten Schritte im Chipdesign unter Anleitung von Experten sind so möglich. Bis Mitte September können die Schülerinnen und Schüler dann ihre Projekte realisieren. In einem Forum tauschen sie sich auch in den nächsten Monaten untereinander und mit den Experten in Hannover aus. Anja Bittner, Ramona Zilk und Elena Zimmer sind auf die Umsetzung gespannt: „Wir freuen uns darauf, andere Gleichaltrige kennenzulernen und mehr über Chips und andere moderne Technologien zu lernen“, sagen sie.

Die besten Entwürfe stellen die Schüler am 23. Oktober beim VDE/BMBFMikroSystemTechnik Kongress in München Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und der Politik vor. Hier werden auch die Sieger des Wettbewerbs gekürt. Für die Besten stehen neben attraktiven Geldpreisen von bis zu 3.000 Euro auch die Aufnahme in das Auswahlverfahren für ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes und vielfältige Kontakte zu Industrie und Hochschulen sowie die Präsentation der eigenen Projekte auf Messen und Technikveranstaltungen bevor. „Invent a Chip“ wird in der aktuellen Wettbewerbsrunde von zahlreichen Sponsoren unterstützt: Bosch, Cologne Chip, Globalfoundries, Infineon, Mentor Graphics, Siemens, Videantis, DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE.