Strommasten auf Wiese
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16.03.2016 Mitgliederinformation 30 0

Herausforderungen des täglichen Netzbetriebes

Die VDE Landesvertretung Bayern lud ein nach München

Im Januar 2016 folgten 70 Teilnehmer der Einladung der VDE Landesvertretung an die Hochschule München. Dr.-Ing. Peter Hoffmann, Tennet TSO GmbH, Bayreuth, stellte eindrucksvoll dar, welchen Herausforderungen sich die Übertragungsnetzbetreiber täglich stellen müssen, um das Netz stabil zu halten. Mussten die Mitarbeiter in der Leitstelle vor 15 Jahren noch 2 - 3 Mal im Jahr eingreifen, um Gefährdungen des n-1 Prinzips zu verhindern, kommen solche Eingriffe heute wegen der hohen Lastflüsse durch Deutschland 2 - 3 Mal pro Tag vor.

Die vermehrte Stilllegung von Kraftwerken vor allem in Süddeutschland - wie beispielsweise des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld - führen zu neuen Herausforderungen im Netzbetrieb. So musste Tennet vor der Inbetriebnahme des ersten Systems der Thüringer Strombrücke in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 die Netzreserve außergewöhnlich oft abrufen. Kurz vor dem Vortragtermin der Landesvertretung konnte jedermann der Presse entnehmen, dass für solche Maßnahmen im letzten Jahr allein bei Tennet ein hoher dreistelliger Millionenbetrag an Kosten angefallen ist. Ferner können Photovoltaik- und Windkraftanlagen je nach Witterungsverhältnissen sehr hohe Leistungsgradienten aufweisen, wodurch dem Netz innerhalb kurzer Zeit erhebliche Mengen an Leistung fehlen. Als Beispiele führte Peter Hoffmann den Durchzug einer Sturmfront bei Windkraftanlagen und die Sonnenfinsternis im Jahr 2015 bei Photovoltaikanlagen an. In solchen Fällen müssen schnell Regelkraftwerke aktiviert werden, um die Frequenz in Europa stabil halten zu können.

Zum Abschluss des Vortrags wies Hoffmann auf die Notwendigkeit einer weiteren Flexibilisierung der Kraftwerke hin, wenn der Ausbau der regenerativen Energie weiter rasch voranschreitet: „Bei anhaltendem Zubau von Photovoltaikanlagen bekommen wir in einigen Jahren jeden Morgen Leistungsgradienten wie bei der Sonnenfinsternis im Jahr 2015. Allerdings treten bei den Prognosen angesichts der Unsicherheiten in der Wettervorhersage immer wieder große Abweichungen auf und hier haben wir kein halbes Jahr Vorbereitungszeit wie bei der Sonnenfinsternis“.

Ralf Stöber, Sprecher der VDE Landesvertretung Bayern dankte Dr.-Ing. Peter Hoffmann für den Vortrag: „Mit Ihrem Vortrag haben wir einen tiefen Einblick in die Herausforderungen des täglichen Netzbetriebs bekommen und dieses wichtige Thema aus einer technisch fundierten Perspektive beleuchtet bekommen.“ Der Leiter des Arbeitskreises Energietechnik des VDE Südbayern Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Rehm fügte hinzu: „Wir können uns glücklich über die sehr niedrigen Stromausfallzeiten in Bayern und Deutschland schätzen. Bei der Diskussion über die Energiewende müssen wir immer darauf achten, die Stabilität des Netzes und damit die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden.“

Ralf Stöber