09.09.2015 Mitgliederinformation 114 0

Besichtigung des Pumpspeicherkraftwerks Langenprozelten

Deutschlands wichtigstes Spitzenlastkraftwerk zur Versorgung der Deutschen Bahn

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Geleertes Unterbecken im Pumpspeicherkraftwerk Langenprozelten

| Eberhard Jacob, Bindlach

Seit mehr als zwei Jahren war geplant, ein Pumpspeicherkraftwerk zu besichtigen. Im Auge hatten wir immer Happurg bei Hersbruck, da dieses im Rahmen einer Revision interessante Einblicke in das Innenleben eines Kraftwerkes bieten sollte. Ende Juni 2015 war es dann endlich soweit. Doch die Reise führt den VDE Bayreuth nicht nach Happurg, sondern zum Pumpspeicherkraftwerk Langenprozelten der Donau-Wasserkraft AG (DWK) im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart.

Die Donau-Wasserkraft AG (DWK), ein Tochterunternehmen von Rhein-Main-Donau AG (99,25 %) und E.ON (0,75 %), unterzieht seit Ende Mai 2015 ihr Pumpspeicherkraftwerk einer intensiven Fitnesskur. Rund 56 Mill. € wird die DWK in den kommenden zweieinhalb Jahren neben zahlreichen anderen Arbeiten vor allem in den Austausch der beiden Generatoren, die Revision der beiden Pumpturbinen und der sechs Kugelschieber (Absperrvorrichtungen) sowie in die turnusmäßige Ertüchtigung der Abdichtung des Unterbeckens investieren. Ziel der umfangreichen Arbeiten ist es, die Versorgung der Deutschen Bahn mit Spitzenstrom zu den Rushhour-Zeiten im Bahnverkehr auch für die nächsten Jahrzehnte zuverlässig sicherzustellen.

Für uns ein willkommener Anlass, mit einer Gruppe von fast 30 Teilnehmern nach Langenprozelten zu fahren und einmalige Einblicke in ein „offenes“ Pumpspeicherkraftwerk zu gewinnen. Immerhin ist das Kraftwerk seit 1976 in Betrieb und verschiedene Anlagenteile wurden erstmals geöffnet bzw. ausgebaut.

Was sind die wichtigsten technischen Daten des Kraftwerkes: Zwei Maschinensätze mit den weltweit stärksten Wasserkraft-Einphasen-Motor-Generatoren von jeweils 84 MW, das Gewicht der Generatorrotoren beträgt jeweils 245 t, die Pumpturbinen haben einen Laufrad-Durchmesser von 3,01 m, die Fallhöhe vom Oberbecken beträgt 310,4 m, der Triebwasserstollen ist 1,3 km lang, da ausschl. Bahnstrom erzeugt wird, ist die Frequenz 16 2/3 Hz.

In zwei Gruppen konnten wir u.a. alle Ebenen des mehr als 40 m hohen Maschinenhauses besichtigen, den Zustand eines Laufrades und einen ausgebauten Leitungsabschnitt nach 40 Jahren Betrieb sehen, sowie das entleerte Unterbecken einschl. der Erneuerung der Asphaltschicht.

Besonders interessant da unerwartet, war ein Bericht über den Umweltschutz und da besonders die Aktivitäten über den Aalschutz.

Insgesamt war es höchst interessant, die Funktionsweise eines Pumpspeicherkraftwerkes vorgestellt und dadurch noch besser verstehen zu können und einmal das Innenleben eines Kraftwerkes nach Jahren des Betriebes zu sehen. Die Teilnehmer konnten mit vielen detaillierten Eindrücken, entsprechenden Hintergrundinformationen und neuem Wissen den Heimweg antreten.


Karl Fleischer, Leiter VDE-Zweigstelle Bayreuth