Collage zu erneuerbaren Energien
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12.07.2017 66 0

Deutschland ist bei der Energiewende kein Vorbild

Die Energiewende ist in aller Munde. Doch was bedeutet sie? Was sind die Ziele der Energiewende und vor welche Aufgaben stellt sie uns?

Benjamin Eckl (li) bedankt sich bei Prof. Hermann Wagenhäuser für dessen aufschlussreichen Vortrag zum Thema "Energiewende - Zwischenbilanz" am 27.06.2017 an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg

| VDE Nordbayern

Die Bundesregierung hat die Reduzierung der Treibhausgase und den Ausstieg aus der Kernenergie als politische Ziele vorgegeben. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Reduzierung des Energieverbrauchs durch Effizienzsteigerung. sind die tragenden Säulen der Energiewende.

Welche Einzelmaßnahmen zur Zielerreichung notwendig sind und wie der Stand heute ist, mit dieser Frage beschäftigte sich Prof. Hermann Wagenhäuser anlässlich eines Vortrags vor Mitgliedern des Verbands Elektrotechnik (VDE) und Angehörigen und Studenten der Fakultät Elektrotechnik der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg.

Die Erneuerbaren Energien sollen sowohl die Kohlekraftwerke, wie die Kernkraftwerke ersetzen. Ziel bis 2020 ist ein Anteil von 35 % am Bruttostromverbrauch und von 18 % am Bruttoenergieverbrauch. Der Bruttostromverbrauch liegt derzeit mit ca. 32 % deutlich im Plan. Der Anteil der erneuerbaren am gesamten Bruttostromverbrauch liegt bei ca. 30 %. Davon steuert der Wind 42 % und die PV-Anlagen 20 % bei. Beim Strom gibt es deutliche, bei Wärme und Verkehr keine Fortschritte.

In den Bereichen Primärenergie und Bruttostromverbrauch sind keine signifikanten Reduzierungen zu verzeichnen. Erhebliche Defizite weist die Steigerung der Energieeffizienz auf. Statt der erwarteten Senkung des Energieverbrauchs auf dem Sektor Verkehr ist zunächst eine Erhöhung eingetreten. Die angestrebte Zahl der Elektroautos von 1 Million stagniert heute bei 25.500.

Bei den Treibhausgasemissionen hat Deutschland 2008 das Kyoto-Ziel erreicht. Von 1990 bis 2016 haben sich die Emissionen um 1,2 % pro Jahr reduziert. Um das erklärte Ziel zu erreichen müssten die Emissionen bis 2020 um jährlich 4,9 % zurückgehen.

Der Ausstieg aus der Kernenergie wird 2022 vollzogen sein. Die bevorstehende Aufgabe besteht darin, die ausfallende Leistung jederzeit zu ersetzen und die Versorgungssicherheit zu gewähr-leisten. Der heutige Strommarkt gewährt keine Versorgungssicherheit. Maßnahmen zur Flexibilisierung sind ein optimiertes Lastmanagement, der Einsatz hochflexibler Kraftwerke, eine bedarfsgerechte Einspeisung der Erneuerbaren Energien und die Errichtung von Stromspeichern.

Massiv gestiegen sin die Kosten für Eingriffe zur Erhaltung der Netzstabilität und die EEG-Umlage. Die Staatsquote beim Strompreis beträgt 55 %. Deutschland hat überdurchschnittliche Strompreise in Europa.

Die Energiewende ist wichtig, sie läuft aber nicht wirklich gut. Gründe sind Verzögerungen durch die Politik, der hohe finanzielle Aufwand und das Verhalten der Energieversorger. Die Energiewende bietet große Chancen für die deutsche Wirtschaft, aber die Kosten dürfen nicht aus dem Ruder laufen.

Dr. Johann Berger

Service

Interessierte können den Vortrag von Prof. Hermann Wagenhäuser per Mail anfordern!